Ohne Geld ein Start-up aufbauen? Yep!

Einfacher gesagt als getan, aber es geht.
Ich bin mehrfach pleite gewesen und musste quasi aus dem Nichts ein neues Unternehmen gründen, sodass ich Dir heute einfach nur meinen Ablauf schildern möchte.

Ob dieser gut oder schlecht ist, musst Du schon selbst bewerten.

Das Schöne an unserer Zeit ist, fast alle Informationen sind frei zugänglich. Ideen verifizieren, stellt keine Herausforderung mehr dar. Und wer höflich fragt, erhält auch eine Antwort.

Bereits als Ausbildungssuchender war meine Devise, individuelle und höfliche Kommunikation ist alles. Ich habe stets meine Bewerbungsunterlagen meinem Geschäftsführer, Filialleiter & Co. persönlich abgegeben. Ein angemessener Händedruck, in die Augen schauen, lächeln – und Du hinterlässt ganz leicht einen bleibenden Eindruck, der Dir möglicherweise die gewünschte Tür öffnet. Nicht anders lief es bei mir, ich habe einfach persönlich nach Feedback und Meinungen gefragt.

Nichts ist produktiver als Ideen-Sparring.

Du kannst niemals alles allein wissen, und nur Theorien im Internet lesen ist nicht der Weisheit letzter Schluss.

Ich habe aber auch zugegeben Glück gehabt, im liberalen Berlin groß geworden zu sein. Aus Erfahrung: Die Menschen sind hier absolut nicht kontaktscheu, hamstern kein Feedback, öffnen nicht für jede Information die Hand und mögen junge dynamische „Leutz“, die etwas wuppen wollen.

Ich merke an, da meine Blogposts auch in Polnisch getextet werden, dass hier in einigen Bereichen, in Bezug auf Bereitschaft zum Teilen von Informationen, Nachholbedarf besteht. Das ist keine Kritik, einfach nur ein kultureller Unterschied, und ich liebe mein Polen trotzdem.

Zurück zum Thema.

Sollte Dein Idee-Sparring erfolgreich sein, Du Mumm hast zu gründen, dann lasse uns mit meiner Erfahrung loslegen, die Dir hoffentlich weiterhilft.

Eins noch vorab: Höre zu, behalte die Augen offen, aber habe genug Eier in der Hose, auch Konzepte umzusetzen, die nach Meinung von Experten keine Chance haben.

Als Gründer bekommst Du in der Regel kein Geld von einer Bank. Kreditkarten werden hingegen leicht vergeben, auch wenn die Zinsen weniger attraktiv sind, als Gründer ist dies Deine Chance, um das ein oder andere quer zu finanzieren.

Meinen ersten Laptop habe ich mithilfe einer Kreditkarte erworben und jeden Monat zumindest die Zinsen bezahlt.

Zu meiner Zeit gab es so etwas wie Co-Work-Spaces noch nicht, daher bestand Bedarf, ein Büro anzumieten.

Kaution, Möbel, und damals auch noch die hässlichen große Telefonanlagen mit PMX Anschlüssen, damit mehr als fünf Leute gleichzeitig telefonieren können.

Das kostet Geld.

Bei Telefonanlagen wendete ich mich damals an einen großen Reseller. Ich habe gefragt, ob er Reparaturware oder eine TK-Anlage aus nicht bezahlten Leasingverträgen hat. Ich kann nichts kaufen, würde aber gern mieten. Hat bei mir funktioniert.

In jeder Familie, im Freundeskreis etc. gibt es jemanden, der bisschen Schotter auf der hohen Kante hat und zu begeistern wäre, Dir mit einem kleinen vierstelligen Betrag zu helfen. Start-up-Shop IKEA gab es schon damals, und für 50 EUR netto bekommst Du schon einen Arbeitsplatz ausgestattet. Auch nach Insolvenzverwaltern oder Verwertern von Firmen suchen. Möbel haben hier meist nie einen Wert und sind „für’n Appel und‘n Ei“ zu haben. Oft reicht es auch, wenn der Verwalter oder Verwerter einfach nur das Zeug los ist.

Für Möbel musst Du oft kein Geld ausgeben, habe ich bei einigen Gründungen ebenfalls nicht machen müssen.

Bei meiner ersten Gründung zahlte der Freund meines ehemaligen Partners die Kaution, die Möbel und die erste Miete und erhielt dafür, glaube ich, damals 15 Prozent unserer Gesellschaftsanteile.

Später lernte ich, Vermieter sind auch Menschen. Offener, direkter und ehrlicher Dialog ist wichtig. Lange leerstehende Einheiten in Z-Lagen kann man bei langfristiger Anmietung bis zu sechs Monate lang umsonst bekommen. Die Kaution darf man in Raten bezahlen.

Büro, Möbel und Telefonanlage standen, es könnte fast losgehen.

Website, Visitenkarten und Büromaterial fehlen noch.

Faustregel zu Beginn: Mache so viel wie Du kannst selbst. So habe auch ich laienhaft meine erste Website zusammengeschustert, mit einem Baukastensystem, und ich habe 100 gratis Visitenkarten bei einer der großen Onlinedruckereien geordert. Zwar war auf der Rückseite Werbung der Druckerei, und auch bei der Website konnte man sehen, dass es sich um einen Baukasten handelt. So what? Man konnte sich über uns informieren.

Beim Büromaterial verhält es sich ähnlich wie mit Möbeln. Einfach nach Büroräumungen Restposten ergattern oder Lieferanten vor ausgeführter Bestellung um Stundung bitten.

Es kann losgehen!

Wenn Du Dir meine Ausgaben zusammenrechnest, dann sind wir bei dem symbolischen 1 EUR, mit dem man, vorausgesetzt man ist ein wenig clever sowie offen gegenüber potenziellen Partnern und Lieferanten, starten kann.

Heutzutage hast Du es sogar noch deutlich einfacher.
Dir stehen Co-Work-Spaces zur Verfügung, die Du oft schon für einen Hunderter im Loft anmieten kann. Die erste Rate per Vorkasse reicht häufig erstmal. Oben drauf kriegst Du auch noch Dutzende mögliche Kunden vor Ort (mit)geschenkt. Den Laptop kannst Du Dir gebraucht günstig angeln. Eine Telefonanlage brauchst Du nicht mehr, miete Dir eine virtuelle Telefonanlage, die Du per App auf Deinem Laptop nutzen kannst – und eine Website? Mit ein wenig Ehrgeiz kriegst Du aus Templates etwas Gutes zusammengeschustert.

Keine Frage, sobald Du Kohle hast, hole Profis ran, die Dir einen professionellen Auftritt gestalten. Aber hey, für den Anfang reicht‘s.

Deine PR, Dein Marketing und Dein Sales machst Du am Anfang erst einmal selbst. Ohnehin wird kein anderer so sehr für Dein Business brennen wie Du, daher vertraue nicht auf andere, bekomme Deinen Hintern selbst hoch und verkaufe, was das Zeug hält.

Erreichbarkeit?

Auch dafür kannst Du heute virtuelle Büros anmieten und Deine Kunden kriegen immer einen an die Strippe, der zumindest Standard-FAQs runterrasseln kann.

Dein Unternehmen gründest Du online, dafür gibt es diverse Anbieter. Den teuren Gang zum Anwalt kann man sich im ersten Step sparen. Die meisten Gründerzentren haben Anwälte vor Ort, die man kostenfrei, für alles was Dir wichtig ist, befragen kann.

Es geht. Du kannst mit 0 EUR Cash in der Tasche gründen.
Du musst nur wollen und bereit sein, auch mal die Hosen zu Beginn runter zu lassen, auch wenn es immer peinlich ist, zugeben zu müssen, dass man kein Geld hat. Aber nur Offenheit lässt bei anderen die Motivation entfachen, Dir helfen zu wollen und können. Und ein Nein hast Du sowieso vor jedem Gespräch bereits, Du kannst ausschließlich mit Deiner Mühe ein Ja daraus machen.

Nutze die Chancen, die Dir die Gründerwelt von heute bietet. Laber nicht zu viel, laufe nicht wie ein angeschossenes Huhn von Event zu Event, sondern fokussiere Dich auf die Veranstaltungen, die wirklich für Dich wichtig sein können, und nutze Deine Zeit stets maximal effizient.

Geld, um zu rocken brauchst Du nicht, nur Deinen Willen.
Möge der Ehrgeiz mit Dir sein! Viel Erfolg.

Recent Posts

Start typing and press Enter to search